Bio-Pflanzenbau: ohne mit alles

Natürlich heißt nicht ohne Pflanzenschutz. Aber was heißt Bio-Pflanzenbau in der Praxis?

© aleksandarlittlewolf@magnific

Bio steht für viele Menschen für eine Landwirtschaft, die möglichst ohne Eingriffe auskommt. Doch auch biologisch bewirtschaftete Pflanzen konkurrieren mit Unkräutern, werden von Schädlingen befallen und können an Pilzkrankheiten erkranken.

Auch Bio braucht Pflanzenschutz

Der Unterschied zwischen biologischem und integriertem Pflanzenbau lautet nicht „Pflanzenschutz oder kein Pflanzenschutz“. Beide Systeme müssen Kulturpflanzen vor Krankheiten, Schädlingen und Konkurrenz schützen. Sie unterscheiden sich vor allem darin, welche Verfahren und Mittel dafür zur Verfügung stehen.

Im Bio-Pflanzenbau spielen vorbeugende und mechanische Maßnahmen eine besonders große Rolle. Fruchtfolge, Sortenwahl, Bodenbearbeitung, Hacken oder Striegeln sind wichtige Werkzeuge. Darüber hinaus dürfen auch bestimmte Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, sofern sie für den biologischen Landbau zugelassen sind. „Bio“ bedeutet also nicht automatisch „unbehandelt“.

Mehr Aufwand

Mechanische Verfahren wirken auf den ersten Blick besonders schonend. Doch auch sie haben einen ökologischen Fußabdruck. Häufigere Überfahrten benötigen Energie, verursachen Kosten und können den Boden beanspruchen. Intensive Bodenbearbeitung kann zudem Zielkonflikte etwa beim Boden- und Klimaschutz mit sich bringen.

Ähnliches zeigt sich bei der Fruchtfolge. Sie kann Krankheits-, Schädlings- und Unkrautdruck reduzieren und ist ein zentraler Baustein des integrierten Pflanzenschutzes. Sie ersetzt andere Maßnahmen aber nicht vollständig. Das gilt unabhängig vom Bewirtschaftungssystem.

Natürlich ist nicht automatisch risikofrei

Auch die Herkunft eines Pflanzenschutzmittels sagt für sich genommen wenig darüber aus, wie es auf Mensch und Umwelt wirkt. Entscheidend sind Eigenschaften des jeweiligen Wirkstoffs, die Anwendung, die Aufwandmenge und das damit verbundene Risiko. Eine einfache Einteilung in „natürlich = gut“ und „synthetisch = schlecht“ greift deshalb zu kurz.

Eine sachliche Diskussion sollte einzelne Verfahren und Wirkstoffe anhand ihrer tatsächlichen Eigenschaften und Auswirkungen beurteilen. Fakt ist zudem, dass alle Wirkstoffe – also jene für den biologischen und den integrierten Anbau – die bestuntersuchten Substanzen sind und ein aufwendiges Zulassungsverfahren durchlaufen, bevor sie als Pflanzenschutzmittel vermarktet werden.

Ein weiterer Punkt wird in der öffentlichen Diskussion häufig unterschätzt: Landwirtschaft muss nicht nur eine Fläche bewirtschaften, sondern auch Lebensmittel erzeugen. Deshalb gehört neben dem Aufwand pro Hektar auch der erzielte Ertrag in eine umfassende Betrachtung. Fallen Erträge geringer aus, wird für dieselbe Menge an Lebensmitteln rechnerisch mehr Fläche benötigt oder die fehlende Menge muss anderweitig produziert werden. Nachhaltigkeit lässt sich deshalb nicht an einem einzelnen Merkmal wie dem Verzicht auf bestimmte Betriebsmittel festmachen.

Keine Lager, sondern Lösungen

Bio-Pflanzenbau hat seine Berechtigung und kann wertvolle Ansätze für eine nachhaltige Landwirtschaft liefern. Genauso wenig ist er jedoch frei von Pflanzenschutz, Eingriffen oder Zielkonflikten.

 

Die spannende Frage lautet daher: Welche Kombination aus Fruchtfolge, Sortenwahl, Bodenmanagement, mechanischen Verfahren, biologischen Ansätzen und gezieltem Pflanzenschutz hält Pflanzen gesund und ermöglicht gleichzeitig stabile Erträge bei möglichst geringen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt?

 

Genau darum geht es beim integrierten Pflanzenschutz: nicht ideologisch ein Werkzeug auszuschließen, sondern Risiken zu beobachten, Maßnahmen abzuwägen und gezielt zu handeln.

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Mehr oder weniger Wirkstoff?