Rote Liste am Acker
Bewährte Kulturen geraten unter Druck, weil Wirkstoffe fehlen. Damit auch die Betriebe und die Versorgung.
Kartoffeln, Radieschen, Kohlgemüse und Beerenobst sind wichtige Kulturen in Österreich. Sie stehen für regionale Versorgung, hohe Qualität und Vielfalt auf unseren Tellern. Doch genau diese Kulturen geraten zunehmend unter Druck, weil wirksame Pflanzenschutzmittel fehlen.
Diese rote Liste an gefährdeten Kulturarten in Österreich wächst Jahr für Jahr, weil Wirkstoffe verloren gehen. Im Handel gibt es dann nur mehr Beeren, Knollen und Köpfe aus dem Ausland. Wollen wir das?
Wenn Schädlinge die Oberhand gewinnen
Insekten gehören zum natürlichen Ökosystem. Doch unter bestimmten Bedingungen können sie sich massenhaft vermehren und erhebliche Schäden verursachen. Im Kartoffelbau, bei Kohlgemüse, Radieschen oder Beerenobst führen Insektenbefall und die Übertragung von Krankheiten schnell zu:
Ertragsverlusten
Qualitätsmängeln
höherem Ausschuss
steigenden Produktionskosten
Warum gerade diese Kulturen besonders betroffen sind
Die genannten Kulturen werden von Insekten geliebt und stehen über mehrere Monate am Feld. Viele Schädlinge treten in mehreren Generationen auf. Gleichzeitig ist das verfügbare Gegenmittel in den letzten Jahren deutlich geschrumpft. Wirkstoffe wurden nicht verlängert oder vom Markt genommen, ohne dass gleichwertige Alternativen zur Verfügung stehen. Für manche Schädlinge gibt es heute keine praktikable Bekämpfungsmöglichkeit mehr.
Wenn Risiken nicht mehr beherrschbar sind, hat das Folgen: Betriebe reduzieren Anbauflächen oder geben Kulturen ganz auf, Investitionen werden zurückgestellt, Know-how geht verloren und die Abhängigkeit von Importen steigt. Gerade für Sonderkulturen mit hohem Arbeitsaufwand und knappen Margen ist das Risiko oft nicht mehr tragbar.
Was das für Konsumenten heißt
Ein gefährdeter Anbau wirkt sich nicht nur auf die Betriebe aus. Er betrifft uns alle:
geringere Auswahl aus regionaler Produktion
stärkere Abhängigkeit von Importware
längere Transportwege
höhere Preise
Landwirtschaft funktioniert nur, wenn Anforderungen und verfügbare Werkzeuge zusammenpassen. Von Betrieben höchste Umwelt-, Qualitäts- und Sicherheitsstandards zu verlangen, ohne ihnen ausreichend wirksame Mittel zur Verfügung zu stellen, führt in eine Sackgasse. Wer regionale Lebensmittel will, muss auch die Rahmenbedingungen schaffen, damit sie produziert werden können.